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MPU wegen Alkohol in Willich! Wo beginnt die Alkoholsucht?

Alkohol ist schon seit dem Altertum das beliebteste und weit verbreitetste Rauschmittel der Welt. Es begleitet uns Menschen seit Anbeginn. Schon die alten Römer waren bekannt dafür, gemeinsam zu trinken und Spaß zu haben. Der gemeinsame Umtrunk ist alltäglich, doch viele Millionen Menschen laufen Gefahr in die Sucht abzugleiten. Meistens, ohne es bewusst wahrzunehmen. Ob Sektfrühstück, Sundowner, Feierabendbier, Bier nach dem Sport oder Absacker. Der Genuss der verschiedensten alkoholischen Getränke ist Teil unserer Kultur.

Anlässe gibt es genug. Während der Konsum anderer Drogen wie Kokain verurteilt wird, ist Alkohol gesellschaftlich voll akzeptiert. Und obwohl er, wie z.B. Heroin zu den sog. harten Drogen gerechnet werden muss und sehr zerstörerische Wirkungen entfalten kann, weisen viele Bier-, Wein- und Schnapstrinker die Idee, dass sie eine sehr schädliche Droge konsumieren weit von sich. Die Begründungen sind meist abenteuerlich und unrealistisch. Die Rolle, die Alkohol in unserer Welt einnimmt, ist historisch gewachsen und gesellschaftlich akzeptiert.

Alkohol ist das älteste Rauschmittel in der Menschheitsgeschichte. Die gezielte und geplante Produktion von Alkohol begann vor ca. 10 000 Jahren, als der Mensch sesshaft wurde und begann, Viehzucht und Landwirtschaft zu betreiben. Als das älteste aller alkoholischen Getränke gilt der aus Honig hergestellte Met. Seine Entdeckung geschah wahrscheinlich rein zufällig, denn in Verbindung mit Wasser beginnt Honig, ganz von allein zu gären.

Auch die Bierproduktion geht wohl auf einen solchen Zufall zurück, als die Menschen herausfanden, dass durch die Vergärung von Getreidestärke ein wohlschmeckendes und „beflügelndes“ Getränk entstanden war. Obwohl Anbau und Herstellung von Wein komplizierter sind, wird auch er schon seit Langem genossen. Bier und Wein waren aber nicht nur wegen ihrer berauschenden Wirkung beliebt.

Der in ihnen enthaltene Alkohol hat viele Kalorien und diente daher auch als Nahrungsmittel. Gerade in den Zeiten von Nahrungsmittelknappheit war der Konsum von Alkohol eine willkommene Alternative. Insbesondere für Stadtbewohner stellte Bier eine erheblich gesündere Alternative zum Stark durch Abfälle und Exkremente verschmutzten Trinkwasser dar. Bier und Wein hatten in vielen sehr alten Kulturen einen so hohen Stellenwert, dass sie als Geschenke der Götter angesehen wurden und sogar in spirituellen Ritualen als Opfergaben überreicht wurden. Schon früh gab es Stimmen, die vor den Gefahren des Alkoholkonsums warnten. So bezeichnete der römische Politiker und Philosoph Seneca bereits vor fast 2000 Jahren die Trunkenheit als „freiwillige Geisteszerstörung“.

Doch Alkohol war und blieb in vielen Gesellschaften ein selbstverständliches Nahrungs- und Genussmittel. In einigen Kulturen waren Bier und Wein sogar fester Bestandteil des Lohns von Arbeitern und Soldaten. Die zerstörerischen gesellschaftlichen Folgen von Alkohol zeigten sich in aller Deutlichkeit erstmals im 19. Jahrhundert. Jetzt war einerseits durch die Erfindung der Destillation die günstigere Produktion von Hochprozentigem möglich. Andererseits verschlechterten sich mit der Industrialisierung die Arbeits- und Lebensbedingungen vieler Menschen dramatisch. Viele der in den Fabriken ausgebeuteten Arbeiter griffen nun täglich zum Alkohol, um ihr Elend erträglicher zu machen.

Zu dieser Zeit begannen auch die Mediziner, sich Gedanken über chronischen Alkoholkonsum zu machen. Den Begriff „Alkoholismus“ prägte der schwedische Arzt Magnus Huss, in seinem 1849 veröffentlichen Buch „Alcoholismus Chronicus“. Heute sind die Gefahren, die vom Alkohol ausgehen, gründlich erforscht. Dennoch bleibt er das mit Abstand beliebteste Rauschmittel in Deutschland. Nach Erhebungen sterben jährlich fast 100.000 Menschen in Deutschland an den Folgen ihres Alkoholkonsums. Weit über 2 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig und über 10 Millionen trinken in gesundheitlich bedenklichem Ausmaß.

Die durch den Alkoholkonsum entstehenden Folgekosten – von der Behandlung Alkoholkranker bis zu durch betrunkene Randalierer verursachte Sachschäden – belaufen sich auf mehr als 25 Milliarden Euro jährlich. Diese Summe steht in einem krassen Missverhältnis zu den ca. 3 Milliarden Euro, die durch die Alkoholsteuer eingenommen werden. Ungeachtet dieser Erkenntnisse gehört Alkohol weiterhin ganz selbstverständlich zum Alltag dazu. Wer will, kann sich quasi rund um die Uhr in Kiosken und Tankstellen mit alkoholischen Getränken eindecken. Alkoholkonsum ist in allen Gesellschafts- und Altersschichten verbreitet.

Und während er die längste Zeit der Geschichte den Männern vorbehalten war, haben die Frauen in den letzten 50 Jahren massiv aufgeholt. Vor allem in der Generation der 20- bis 30-Jährigen konsumieren die Frauen inzwischen so viel wie die Männer. Die Wirkung des Alkohols setzt meist schon mit den ersten Schlucken ein. Er gelangt über die Schleimhäute von Magen und Darm ins Blut und breitet sich so im ganzen Körper aus. Im Gehirn angekommen, wirkt er auf die Informationsübertragung zwischen den Nervenzellen. Er hebt die Stimmung an, löst Ängste und Hemmungen, macht gesprächig, glücklich und gesellig.

Das ist es, was viele Menschen erstreben. Wird Alkohol täglich ganz selbstverständlich getrunken, kann dies schon ein erster Schritt in die falsche Richtung sein, die Alkoholabhängigkeit. Denn der Übergang vom normalen Alkoholkonsum zum Alkoholmissbrauch und schließlich zur Alkoholsucht verläuft gewöhnlich sehr schleichend. Zudem erschwert das positive Image von Alkohol – auch Sportler werben dafür – das regelmäßige Konsumenten ihre Gewohnheiten hinterfragen. Wenn Alkohol nicht mehr als Genussmittel konsumiert wird, sondern als Hilfsmittel benutzt wird, etwa, um vom Stress in der Arbeit oder Familie abzuschalten und negative Emotionen wie Leere, Angst oder Selbstzweifel zu betäuben, dann wird es gefährlich.

Das Risiko dabei ist nämlich, dass je mehr man sich daran gewöhnt, desto mehr verkümmern die eigenen inneren Fähigkeiten das Leben zu meistern. Wer jeden Abend mehrere Biere oder eine Flasche Wein konsumiert, um sich vom z.B. vom Stress des Arbeitstages zu „erholen“, steckt für gewöhnlich bereits im Bereich des „Alkoholmissbrauchs“. Im Unterschied zur Sucht, kann man sich aus dieser Lage noch aus eigener Kraft lösen. Gedanken wie „ich sollte mal weniger trinken“ oder „Alkohol bekommt mir nicht mehr so gut wie früher“ können übrigens ein guter Indikator dafür sein, dass es Zeit ist, den eigenen Konsum kritisch zu überdenken. Und in vielen Fällen gelingt es den Betroffenen dann auch, ihre Trinkgewohnheiten zu ändern. Hat die Sucht eingesetzt, wird es sehr schwer vom Alkohol wieder loszukommen.

Einem Alkoholkranken ist es i.d.R. nicht mehr möglich, sich aus eigener Kraft vom Alkohol zu befreien. Alkoholsucht bedeutet, dass der Betroffene psychisch abhängig geworden ist. Nüchtern verspürt er ein brennendes Verlangen nach Alkohol, um seine Verpflichtungen zu meistern. Ohne sein Quantum ist er nicht mehr in der Lage, durch den Tag zu kommen. Im Laufe der Zeit wird er sich und seine privaten wie beruflichen Aufgaben vernachlässigen. Die meisten Betroffenen verlieren dadurch nach und nach ihre Arbeit, ihr bisheriges soziales Umfeld, ihre Familie und im Endstadium ihre Wohnung. Der Weg in das soziale Abseits ist ein meist jahrelanger Leidensweg, der die ganze Familie des Kranken betrifft – nicht selten geraten Partner und die Kinder in eine sogenannte Co-Abhängigkeit.

Das bedeutet, dass sie sich des Alkoholproblems ihres Angehörigen bewusst sind, aber anstatt ihn damit zu konfrontieren, versuchen sie, die Folgen seines Verhaltens abzufedern und vor dem Umfeld geheim zu halten. Dadurch verschlimmern sie die Situation aber ungewollt, weil der Trinker auf diese Weise lange Zeit nicht direkt die Folgen seines Handelns zu spüren bekommt und weitermachen kann wie bisher. Zur psychischen Abhängigkeit vom Alkohol gesellt sich mit der Zeit die körperliche Abhängigkeit. Und ist diese erst einmal voll ausgeprägt, was viele Jahre dauern kann, entsteht eine potenziell lebensbedrohliche Situation.

Nicht nur werden bei jedem Vollrausch hunderttausende Gehirnzellen vernichtet, wodurch auf Dauer das Gehirn schrumpft. Es können schwere Leberschäden, Krampfanfälle, Herzmuskelerkrankungen und Schäden an der Bauchspeicheldrüse und den Magenschleimhäuten entstehen. Der Entzug von einer ausgewachsenen Alkoholsucht ist ein sehr schwieriger Weg, aber machbar. Es erfordert aber eine große psychische Kraftanstrengung des Betroffenen und erfordert darüber hinaus einen vollständigen Verzicht auf Alkohol für die Zukunft.

Denn der Körper vergisst seine einmal erworbene Sucht nie wieder und selbst die geringste Menge von Alkohol kann einen Rückfall auslösen. Der erste Schritt, um sich von der Sucht zu lösen, ist immer die Einsicht des Betroffenen, dass er ein großes Problem hat und Hilfe braucht. Es gibt in Deutschland ein sehr großes Netz von Suchtberatungsstellen, Selbsthilfegruppen, Fachkliniken und Therapieeinrichtungen, an die sich Alkoholiker und deren Angehörige wenden können. Auch Menschen, die (noch) nicht in die Sucht abgeglitten sind, sich aber Sorgen um ihren Konsum machen, finden hier Rat und sollten diesen auch in Anspruch nehmen.

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